Mittwoch, 19. Oktober 2011

Rot ist mein Name

So heißt der Titel von Orhan Pamuk's historischem Krimi.

Ich muss gestehen, dass ich historische Romane in der Regel ziemlich schrecklich finde. Sie sind meistens schlimmer als irgendwelche Groschenromane. Nun ist Orhan Pamuk allerdings so gar nicht der Typ Autor, dem ich etwas derart kitschiges zutrauen würde. Allerdings muss ich auch hier gestehen, dass ich Orhan Pamuk nicht sonderlich leiden kann. Ich hatte irgendwann Mitte der 90er einen Versuch mit "Yeni Hayat" (Das Neue Leben) gestartet und der ging total schief.

Ja, warum hab ich denn dieses Buch überhaupt gekauft? Gute Frage! Ich war verzweifelt. Ich hatte 7 Stunden Aufenthalt am Flughafen in Istanbul und mein mitgebrachtes Buch war nach ca. 3 Stunden zu Ende gelesen. Zum Glück ist der Transferbereich am Istanbuler Flughafen mit sämtlichen Shops ganz gut ausgestattet und so kam ich auch zu einer recht ordentlich ausgestatteten Buchhandlung. Es war kurz nachdem Pamuk den Literatur-Nobelpreis bekommen hat. Ich wollte ihm spontan noch eine Chance geben. Meine Wahl traf auf "Benim adim kirmizi" (Rot ist mein Name).

Es spielt im 16. Jahrhundert im Osmanischen Reich, um genau zu sein in Istanbul. Es hat mich sehr beeindruckt, wie lebendig Pamuk den damaligen Alltag der Gesellschaft rüberbringt. Es war keine leichte Zeit: Aufstände in Anatolien und bei den Janitscharen, III. Murat's Qualitäten als Padischah ließen zu wünschen übrig (Politik ist doof, das Leben ist schön...) und überhaupt war die Stagnation des Reiches in vollem Gange.

Das Buch dreht sich hauptsächlich um vier Miniaturmaler*, deren Ansichten über ihre Kunst und einem Mord. Ich werde nicht mehr über die Handlung des Buches schreiben, sondern beschränke mich darauf, wie es auf mich gewirkt hat. Ich war drin. Ich habe dieses Atelier, die Straßen, die Meister und ihre Wohnungen regelrecht beobachtet. Da es sich, wie anfangs erwähnt, um einen Krimi handelt, darf auch eine gewisse Spannung nicht fehlen. Auch das wird geboten. Wusste lange nicht, wer der Mörder war.  Die Sprache ist dabei eine Mischung aus orientalischem Erzählstil und völlig nüchterner Beschreibung aus Sicht der Charaktere selbst. Da ich das Buch auf Türkisch gelesen habe, kann ich zu der Übersetzung nicht viel sagen. Einen kurzen Blick habe ich mal reingeworfen. Kann sein, dass es etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Fazit: Geboten werden Atmosphäre, Spannung, Kunst und Geschichte. Gute Mischung, gutes Buch!



*Miniaturmaler haben u.a. Bücher verziert, deshalb nennt man sie auch Buchmaler.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Sehnsucht

Heute hab ich Sehnsucht.

Mir fehlt Istanbul, obwohl ich gerade viel zu müde für diese Stadt bin. Stuttgart ist für meinen aktuellen Zustand genau der richtige Ort... und trotzdem, heute vermisse ich Istanbul.

Link:
Crossing the bridge - The Sound of Istanbul

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Glück

Ich versuche Menschen kein Glück mehr zu wünschen. Manchmal kommen alte Gewohnheiten durch, aber es dringt immer mehr ins Bewusstsein.

Es ist als wünschte man jemandem einen guten Schuss. Glück zeichnet sich dadurch aus, dass es von kurzer Dauer ist... zumindest ist es nie konstant. Es kommt und geht wieder und was bleibt ist Leere. Diese wiederum führt dazu, dass man sich erneut auf die Suche nach Glück begibt und diesmal mindestens eine höhere Dosis benötigt. Es liegt einfach im Naturell des Glücks, dass es, einmal erlebt, beim nächsten mal mehr sein muss, um ein vergleichbares Gefühl auszulösen.

Was ich jedem wünsche ist Zufriedenheit. Das hört sich natürlich lange nicht so befriedigend an, ist es aber. Es hört sich sogar langweilig an, ist es auch. Es ist ein Dauerzustand. Ein Zustand, in dem man gelernt hat die Dinge zu nehmen, wie sie sind, ohne sich ständig auf die Suche nach etwas zu begeben, was man nicht hat. Dabei sollte das nicht als Stillstand gesehen werden. Im Gegenteil! Es führt zu einer erhöhten Aufmerksamkeit für das, was ist und ermöglicht es einem damit zum richtigen Zeitpunkt zu reagieren. Man kommt weiter, statt sich wirr im Kreis zu drehen.

Leute, seit einfach mal zufrieden!

Montag, 10. Oktober 2011

Die Besucherin

Im Dezember kommt mich eine Freundin aus der Türkei besuchen.

Vor 11 Jahren bin ich nach Deutschland gezogen und ich bin froh, dass ich nach wie vor guten Kontakt zu einigen Freunden in der Türkei halten konnte. Das ist allerdings gar nicht so einfach... Für mich ist es kein Problem, ich kann kommen und gehen wann ich will. Aber meine Freunde und sogar meine eigene Schwester können nicht mal so eben her kommen. Eine bürokratische und vor allem eine ziemlich teure Angelegenheit.

Neben den Kosten für das Flugticket kommen die Kosten für den Pass, das Visum und die Gebühren für die Einladung des Besuchers hinzu. Ich muss für meinen Gast bürgen (könnte hier ja Dummheiten machen...), was bedeutet, dass ich mein Arbeitsverhältnis und mein Gehalt offenlegen muss. Ist das aus Sicht der Behörden zu wenig, kann ich keinen Besuch empfangen. Dazu auf beiden Seiten die elende Zeit und Nerven, die einen entsprechende Behördengänge kosten. Und dann kommt hinzu, dass das alles keine Garantie dafür ist, dass das Visum auch erteilt wird.

Was soll das?! Es geht darum, zu verhindern, dass Menschen "illegal" nach Deutschland einreisen. Warum hat man Angst vor Menschen, die in das Land reisen? Ein "Illegaler" wird man ja nur aufgrund der Gesetze. Ein bspw. Franzose mit krimineller Absicht kann ohne weiteres nach Deutschland reisen während meine türkische Freundin für ihren Besuch wie eine potenzielle Verbrecherin behandelt wird. Woher das Vertrauen in den einen Menschen und das Misstrauen in den anderen? Kann man von Ländern auf die einzelnen Menschen schließen? Ich verstehe die Kriterien dieser Selektion nicht.

Nun was ist der Grund für diese Maßnahmen? Angst. Wovor? Terror, Kriminalität, illegale Einwanderer (zählt eigentlich nicht, weil es das nur aufgrund der Ausgrenzung gibt). Komisch, ich habe den Eindruck, dass wir diese Probleme auch so haben. Diese Probleme hat jedes Land. Warum also das Ganze? Auch ich will an einem Ort leben, in dem es keinen Terror und Gewalt gibt, aber ich glaube, dass gerade diese Ausgrenzung dazu führt, dass diese Dinge zunehmen.

Wenn jeder Mensch sich überall auf der Welt frei bewegen könnte, dann wären viele Gründe für diese Probleme automatisch aufgelöst. Zusammengehörigkeit würde sich nicht an ethnischen, sondern an ideellen Kriterien orientieren. Nennt mich von mir aus weltfremd, ich empfinde diese Maßnahmen als solche.

Samstag, 8. Oktober 2011

Widersprüche II

Jetzt habe ich mir eben meinen Post von gestern durchgelesen und empfinde das heute schon anders. Ich habe das Ganze ziemlich nüchtern betrachtet und dargestellt... es "fühlt" sich heute nicht mehr richtig an, zumindest nicht vollständig. Aber gut... interessant mal die Entwicklung der Gedanken zu einem Thema zu beobachten.

Ich will heute die Begriffe "Gut" und "Böse" mal aus dem Spiel lassen, sie sind zu plakativ. Außerdem versuche ich mich innerlich ohnehin von diesen bewertenden Begriffen zu lösen. Also, wir vereinen Gegensätze in uns. Sie machen uns aus und sie haben ihre Ursprünge in irgendwelchen Erlebnissen, die wir gemacht haben. Wie heißt es so schön: "Jeder Mensch ist ein Abgrund".

Die Ausgangsfrage im vorigen Post (subjektiv positivste und negativste Eigenschaft meiner Person) habe ich mir beantwortet und werde das nun beobachten.
Positiv: mitfühlend, Negativ: angriffslustig

Das kam mir zunächst so unvereinbar vor, aber ich merke immer mehr, dass die Ursache meiner angriffslustigen Seite in meinem ausgeprägten Mitgefühl liegt und interessanterweise umgekehrt genauso. Ja, mein Mitgefühl wurde immer ausgeprägter, weil ich durch meine teilweise verbal agressive Art manchen Dingen gegenüber ein Verständnis entwickelt bzw. vertieft habe. Nun dachte ich zuerst, Ziel muss es sein die Angriffslust zu beseitigen. Ich bin mir da nicht sicher, denn ich merke, dass sich in den letzten Jahren diesbezüglich viel bei mir getan hat. Das Gefühl innerlich zu explodieren habe ich nach wie vor in der selben Stärke, aber dafür immer seltener und ich komme dem Impuls, es nach außen zu tragen, immer weniger nach. Ich versuche zuerst zu verstehen und wenn es dann doch nach außen dringt, dann viel bedachter und vermutlich auch sanfter für meinen Gegenüber. Aber es treibt mich an... ich will es irgendwie nicht missen.

Nun bin ich eigentlich wieder zu dem selben Schluss gekommen wie gestern, nur war es gestern der Kopf der geredet hat, heute ist es eher der Bauch. Das nehme ich zum Anlass und ändere den Titel meines Blogs. Der Jetzige (Sinn los) war eine Impulsauswahl, um das Teil endlich aktivieren zu können. Schön... es entwickelt sich.

Freitag, 7. Oktober 2011

Widersprüche I

Wie viel Widerspruch kann eine Person in sich vereinen? Was ist noch verträglich? Und vor allem... ist es vielleicht sogar notwendig um überhaupt zu existieren?

Es gab mal wieder einen Denkanstoß und ich stand vor der Frage welche Eigenschaften meiner Persönlichkeit, subjektiv gesehen, besonders ausgeprägt sind. Positiv wie negativ. Der Gegensatz liegt bereits in der Frage.
Kann ich als eine Person besonders gut und besonders böse sein? 


Ich sage ja, allerdings in Phasen, die nicht gleichzeitig in den Vordergrund treten.. Aus der Abwechslung dieser Phasen entstehen Erkenntnisse, durch die sich unsere Persönlichkeit entwickelt.*

Nun habe ich von Kind an gelernt, dass nur das Gute erstrebenswert ist. Die eben dargestellte Erkenntnis würde aber bedeuten, dass ich mir um das Böse in mir eigentlich keine großen Gedanken zu machen brauche. Es ist da und das ist in Ordnung. Denn letztendlich ist die Bedeutung von Gut und Böse eine rein menschliche Erzeugung. Im Universum gehört die Zerstörung genauso dazu wie die Entstehung. Ganz wertfrei... es ist einfach so.


* Literaturempfehlung: Hermann Hesse, Demian (könnte es auch mal wieder lesen, ist schon 'ne ganze Weile her)