Montag, 21. November 2011

Der erste Tag

Heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag nach der ganzen Geschichte. Es sind ziemlich genau 6 Monate vergangen. Am 19. Mai wurde ich operiert und heute haben wir schon den 21. November. Ganze 6 Monate... Nur 6 Monate...

Meine Gefühle sind hin- und hergerissen. Auf der einen Seite bin ich glücklich und dankbar wieder da zu sein, zurück im Leben und auf der anderen Seite kann ich mich nicht entspannen.

Heute morgen, als ich das Gebäude seither zum ersten Mal wieder betreten habe, musste ich daran denken, wie ich mich vor 6 Monaten gefühlt habe, als ich es damals verlassen habe. Es war, als hätten mich ein Rest der Traurigkeit und der Angst empfangen als ich das Treppenhaus hochging und den Flur entlang zum Büro lief. Im Büro war es dann vorbei. Alles war gut und ich war einfach nur froh wieder hier zu sein, Ich musste dabei an die Worte eines Menschen denken, den ich davor kaum kannte und der mich trotzdem in dieser ganzen Zeit begleitet hat: Sieh es als deine Trophäe... du hast gesiegt. Das hat mir sehr geholfen. Ich bin wieder da, ich habe es geschafft und auch wenn ich aktuell nicht in meiner besten Verfassung bin, so muss ich mich doch nicht verstecken. Im Gegenteil!..

Donnerstag, 17. November 2011

Liebe & Schokolade

Gestern Abend war ich mit einer Freundin unterwegs. Im Laufe des Abends sind wir auf das Thema Sex in Beziehungen gekommen. Ist es besser oder wird es mit der Zeit langweilig, wenn man immer mit derselben Person schläft? Wir, die Erfahrungen mit beiden Situationen gemacht haben und das damit durchaus kompetent beurteilen können, sind zu dem Schluss gekommen, dass letztendlich das drumherum in einer Beziehung einfach schöner ist. Mit drumherum ist bspw. das gemeinsame Einschlafen, frühstücken etc. gemeint.

Ich denke auch, die eigentliche Verbindung beginnt unmittelbar nach und nicht vor dem Akt. Es ist wunderbar die Lust zu stillen, sich gegenseitig zu verwöhnen und zu genießen aber es ist auch wunderschön, danach gemeinsam dazuliegen und die Intensität des Moments in Vertrautheit zu genießen.

Heute beim nachsinnieren und bei Tageslicht finde ich, dass Sex durchaus mit dem Genuss von Schokolade zu vergleichen ist. Schokolade und ich kennen uns schon sehr lange. Uns verbindet eine sehr tiefe Leidenschaft und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Lust irgendwann abflauen könnte! :)
Aber auch beim Genuss von Schokolade merke ich unterschiedliche Ansätze, die mit dem Liebesakt vergleichbar sind. Jeder einzelne Ansatz ist immer Bestandteil des Sexuallebens, was sich unterscheidet sind die Schwerpunkte. Sie verlagern sich mit dem Alter und der Länge der Beziehung.

- Heißhunger: Der Griff ins nutella-Glas. Man will es, man braucht es, jetzt, sofort. Es geht nicht um die Qualität, sondern es ist die reine Gier. Die Lust, die sofort gestillt werden muss, sonst wird man bockig. Es entstehen Kriege...
- "Ach, warum eigentlich nicht!": Die Überraschungsmomente. Sie ergeben sich spontan, unerwartet und man lässt sich gerne drauf ein. Hier ist in der Konsequenz alles drin: von Übelkeit, Reue bis zur vollsten Zufriedenheit.
- Bei Bewusstsein: Das feine Täfelchen Zartbitterschokolade zum Mokka oder das Chilli-Mousse zum Wein... klassisch oder experimentierfreudig. Man muss auf den Geschmack erst kommen, muss ihn erst kennenlernen um ihn verstehen und genießen zu können.

Ich nehme bitte die Mischplatte!

Dienstag, 1. November 2011

Rückblick

Die Reha hat begonnen und der Alltag hat mich wieder.

Es ist ein gutes Gefühl morgens aufstehen zu müssen, etwas zu erledigen und am Abend tatsächlich so was wie Feierabend zu haben. Wie die Jahreszeiten... die Tage bekommen wieder eine Bedeutung. Liegt das daran, dass ich krank war und einfach zu schwach um die lange, freie Zeit besser zu nutzen oder warum brauche ich diesen Alltag um den Tagen eine Bedeutung zu geben?

Es stört mich in der Tat ein wenig. Gut, ich habe immerhin mit dem Nähen angefangen. Dabei hört man doch immer von Menschen, die durch ihre Krankheiten ein neues Leben begonnen haben, deren Leben einen ganz neuen Sinn bekommen hat. Das Gefühl habe ich so nicht. Es ist eine Erfahrung wie jede andere und klar bringt sie einen weiter.
Aber ich kann nicht behaupten, dass ich "die Eingebung" hatte.

Nichtsdestotrotz habe auch ich ein paar Dinge bemerkt, die sich geändert haben.

Ich war oft erschöpft, konnte mich dann aber auch einfach aufs Ohr hauen. Nicht so letzte Woche. Für eine Strecke, die ich normalerweise in 10 Minuten hinter mich bringe, habe ich eine halbe Stunde gebraucht und musste 3 Pausen einlegen. Ich konnte einfach nicht mehr. Es lag am Blut und ich habe am Tag darauf 2 Konserven bekommen. Seither ist es deutlich besser. Ja und was hat mir das gebracht? Verständnis. Verständnis für alte und kranke Menschen, bei denen das zum Alltag gehört. Das hört sich trivial an? Ich gestehe, dass es mich hin und wieder genervt hat, wenn jemand zu langsam war oder ich dachte mir, so schwer könne es doch nicht sein, die paar Meter zu laufen. Doch, das kann es. Simulanten gibt's immer, aber es gibt eben auch die Menschen, die nicht (mehr) am alltäglichen Leben teilnehmen können, weil es zu anstrengend ist. Das sind alles Menschen, die auch mal jung bzw. gesund waren und jederzeit tun und lassen konnten, was sie wollten. Es ist eine interessante Erfahrung, diese körperliche Verfassung mit 33 Jahren zu erleben. Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, dass man in seinen besten Jahren ist und das auch nutzen. Konsequenterweise kümmere ich mich nun um ein Trainingsprogramm für die Zeit danach.
Ein weiteres Thema ist die Trägheit. Es ist schön zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte. Das führte bei mir teilweise dazu, dass ich ganz einfach nichts getan habe... keine Lust! Komischerweise ändert sich der Wille schlagartig, wenn man plötzlich nicht mehr kann. Wie ätzend, dass ich erst an den Punkt kommen musste... schwer zu akzeptieren, dass man so gewöhnlich ist. Zumindest für mich. Nun ja, mittlerweile bin ich dankbarer für jede Aktivität, die sich mir anbietet und nehme sie so gut es geht wahr.

Sicher hat mich das Ganze verändert. Leider gibt es neben den genannten, konstruktiven Punkten auch andere Dinge, die hinzugekommen sind. Ich habe in gewisser Form das Vertrauen in meinen Körper verloren. Nie hätte ich gedacht, dass das wiederkommt. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es wirklich verschwunden ist und weg bleibt. Eine latente Angst bleibt zurück Hinzu kommt, dass mein Körper nicht mehr derselbe ist, wie noch vor einem halben Jahr. Es fühlt sich alles noch etwas fremd an. Ich hoffe darauf, dass sich das mit der Zeit erledigen wird und es wird sicher auch gut tun, wenn mal die offensichtlichen Attribute (Haare, Fingernägel) wieder vollständig sind.

Das ist alles.