Dienstag, 1. November 2011

Rückblick

Die Reha hat begonnen und der Alltag hat mich wieder.

Es ist ein gutes Gefühl morgens aufstehen zu müssen, etwas zu erledigen und am Abend tatsächlich so was wie Feierabend zu haben. Wie die Jahreszeiten... die Tage bekommen wieder eine Bedeutung. Liegt das daran, dass ich krank war und einfach zu schwach um die lange, freie Zeit besser zu nutzen oder warum brauche ich diesen Alltag um den Tagen eine Bedeutung zu geben?

Es stört mich in der Tat ein wenig. Gut, ich habe immerhin mit dem Nähen angefangen. Dabei hört man doch immer von Menschen, die durch ihre Krankheiten ein neues Leben begonnen haben, deren Leben einen ganz neuen Sinn bekommen hat. Das Gefühl habe ich so nicht. Es ist eine Erfahrung wie jede andere und klar bringt sie einen weiter.
Aber ich kann nicht behaupten, dass ich "die Eingebung" hatte.

Nichtsdestotrotz habe auch ich ein paar Dinge bemerkt, die sich geändert haben.

Ich war oft erschöpft, konnte mich dann aber auch einfach aufs Ohr hauen. Nicht so letzte Woche. Für eine Strecke, die ich normalerweise in 10 Minuten hinter mich bringe, habe ich eine halbe Stunde gebraucht und musste 3 Pausen einlegen. Ich konnte einfach nicht mehr. Es lag am Blut und ich habe am Tag darauf 2 Konserven bekommen. Seither ist es deutlich besser. Ja und was hat mir das gebracht? Verständnis. Verständnis für alte und kranke Menschen, bei denen das zum Alltag gehört. Das hört sich trivial an? Ich gestehe, dass es mich hin und wieder genervt hat, wenn jemand zu langsam war oder ich dachte mir, so schwer könne es doch nicht sein, die paar Meter zu laufen. Doch, das kann es. Simulanten gibt's immer, aber es gibt eben auch die Menschen, die nicht (mehr) am alltäglichen Leben teilnehmen können, weil es zu anstrengend ist. Das sind alles Menschen, die auch mal jung bzw. gesund waren und jederzeit tun und lassen konnten, was sie wollten. Es ist eine interessante Erfahrung, diese körperliche Verfassung mit 33 Jahren zu erleben. Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, dass man in seinen besten Jahren ist und das auch nutzen. Konsequenterweise kümmere ich mich nun um ein Trainingsprogramm für die Zeit danach.
Ein weiteres Thema ist die Trägheit. Es ist schön zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte. Das führte bei mir teilweise dazu, dass ich ganz einfach nichts getan habe... keine Lust! Komischerweise ändert sich der Wille schlagartig, wenn man plötzlich nicht mehr kann. Wie ätzend, dass ich erst an den Punkt kommen musste... schwer zu akzeptieren, dass man so gewöhnlich ist. Zumindest für mich. Nun ja, mittlerweile bin ich dankbarer für jede Aktivität, die sich mir anbietet und nehme sie so gut es geht wahr.

Sicher hat mich das Ganze verändert. Leider gibt es neben den genannten, konstruktiven Punkten auch andere Dinge, die hinzugekommen sind. Ich habe in gewisser Form das Vertrauen in meinen Körper verloren. Nie hätte ich gedacht, dass das wiederkommt. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es wirklich verschwunden ist und weg bleibt. Eine latente Angst bleibt zurück Hinzu kommt, dass mein Körper nicht mehr derselbe ist, wie noch vor einem halben Jahr. Es fühlt sich alles noch etwas fremd an. Ich hoffe darauf, dass sich das mit der Zeit erledigen wird und es wird sicher auch gut tun, wenn mal die offensichtlichen Attribute (Haare, Fingernägel) wieder vollständig sind.

Das ist alles.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen